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ARMENI Einer der groessten Friedhoefe aus spaetminoischer Zeit
von Margaretha Rebecca Hecht Hopfner |
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Eine der groessten Nekropolen aus spaetminoisch-mykenischer Zeit (ca. 1390-1190 v. Chr.) koennen wir in unmittelbarer noerdlicher Nachbarschaft zur Ortschaft Armeni etwa 8 km von suedlich von Rethymnon besichtigen, problemlos erreichbar mit dem Auto auf der Hauptstrasse in den Sueden Richtung Agia Galini.
Armeni selbst soll seinen Namen von "armenischen" Einwanderern erhalten haben, wobei hier zu bemerken ist, dass "Armeni" in byzantinischer Zeit saemtliche Fluechtlinge aus dem Osten des Reiches unabhaengig von ihrer jeweiligen Nationalitaet genannt wurden.
Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts leitete Yannis Tzedakis die Ausgrabungsarbeiten auf diesem Graeberfeld, welche mehr als 200 Felskammergraeber und ein Kuppelgrab zu Tage foerderten. Den besonderen Reichtum dieser Anlage bilden die aufgefundenen minoischen mit Doppelaexten, Kulthoernern, Jagdszenen und Stieren bemalten Sarkopharge sowie zahlreiche Grabbeigaben (Geschirr, Werkzeuge, Tongefaesse, Schmuck aus Bronze, Perlen und Halbedelsteinen, Siegel und Steingefaesse), die einen umfassenden und tiefen Einblick in das Leben jener Zeit auf Westkreta gewaehren. Die Grabbeigaben koennen in den archaeologischen Museen von Rethymnon und Chania besichtigt werden.
Das Erscheinungsbild der zumeist nach Osten ausgerichteten Graeber, die als Familiengraeber anzusehen sind, ist charakterisiert durch einen Gang (Dromos), der zu einer dazugehoerigen Grabkammer fuehrt. Die Toten - insgesamt konnten ca. 500 Skelette geborgen werden - wurden in den bereits erwaehnten Tonsarkophargen (Larnakes) bzw. Urnen in den Waenden des Ganges oder im Fussboden der Kammer beigesetzt. Das Durchschnittsalter der auf diesem Friedhof Bestatteten war etwa 30 Jahre bei Maennern und etwa 23 Jahre bei Frauen.
Ruhig und friedlich wirkt dieser Ort, an dem vor ueber 3000 Jahren Menschen ihr ewiges Leben begannen, heute spenden Eichen den freigelegten Graebern ein wenig Schatten, so als wollten sie die Toten vor unserem unaufhaltsamen Forschergeist beschuetzen. Wer diese Nekropole aufsucht, sollte sich meinem Empfinden nach der seinerzeitigen Zweckbestimmung bewusst bleiben und das Andenken der uns namentlich unbekannten Toten nicht mit dem "Laerm" unserer Zeit verletzen.
Folgenden Werken habe ich Hinweise fuer diesen Text entnommen:
M.R. Hecht Hopfner, Wien, 2023, Alle Rechte vorbehalten. |
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