Kandanos

Vergessen wir nicht ...

von Margaretha Rebecca Hecht Hopfner

Kandanos, im Hinterland Paleochoras gelegen, Verwaltungszentrum des Bezirkes Selinos, lebt ... . Haeuser stehen da, als ob nichts geschehen waere, ebenso gehen die Menschen ihren Tagesgeschaeften nach, grad so, als ob nichts, nie etwas geschehen waere, hier, am Ort eines fuerchterlichen Gemetzels, das waehrend des Zweiten Weltkrieges die Menschen wie eine Naturkatastrophe heimgesucht hatte, die jedoch eine von Menschen verursachte Katastrophe war ... Am 2. Juli 1941 uebten die deutschen Eroberer blutige Vergeltung fuer einen Partisanenueberfall in dieser Region, sie zuendeten Kandanos an und zerstoerten es bis auf die Grundmauern, die meisten Einwohner wurden auf das grausigste ermordet. So ist Kandanos zu einem Symbol fuer die Zerstoerungswut der deutschen Besatzungsmacht auf Kreta geworden.

Aber auch das Schreckensregime der Nationalsozialisten konnte nicht den in Jahrhunderten gestaehlten Widerstandswillen der Kreter brechen, und wieder waren sie ueberall auf Kreta bereit, fuer ihre Freiheit "den hoechsten Preis zu bezahlen": "Inhaftierungen, Massenexekutionen, Konzentrationslager, ... Ausrottung ganzer Doerfer ...." (Theocharis E. Detorakis) Vergessen wir das niemals!

Und wir befaenden uns nicht in Kreta, wenn nicht trotz alledem, ja grad zum Trotz, auch dieser Ort, Kandanos, von den Kretern wieder augebaut worden waere und sie, Tod und Zerstoerung verachtend, darin ihr Leben lebten, grad so, wie es ihnen eben immer noch gefuellt ...

Ein wenig eigenartig mutet die Inschrift auf dem Denkmal im Ortszentrum an, die an diese Ereignisse erinnert: "Hier stand Kandanos. Es wurde zerstoert als Sueehne fuer die Ermordung von 25 deutschen Soldaten." "Zur Vergeltung der bestialischen Ermordung eines Falschirmjaegerzuges durch bewaffnete Maenner und Frauen aus dem Hinterhalt wurde Kandanos zerstoert." Gerade vor einer derartigen Inschrift, die meines Erachtens fast den Eindruck erweckt, als waeren hier einander gleichgeartete Gegner gegenuebergestanden, als waere die deutsche Vergeltungsaktion geradezu 'rechtens' gewesen, muss schon daran erinnert werden, dass deutsche Soldaten im Auftrag des nationalsozialistischen Deutschland den ersten und entscheidenden Schritt der Aggression gegen Kreta und seine Einwohner setzte, indem sie im Zuge einer kriegerischen Handlung die Insel ueberfielen und sie in weiterer Folge unter ihr grausames Besatzungsregime stellten, waehrend der Widerstand der einheimischen Bevoelkerung gegen diese Besatzer stets als Akte der Verteidigung des eigenen Landes anzusehen sind ... Versoehnlich stimmte mich dann wieder das Denkmal der Deutschen Aktion Suehnezeichen, die als Geste der Suehne und der Versoehnung Kandanos ein Wasserwerk zum Geschenk gemacht hat. Vergessen wir also nichts!

Folgenden Werken habe ich wichtige Hinweise fuer diesen Text entnommen:
Detorakis, Theocharis E.: Geschichte von Kreta. Heraklion. 1997.
Vassilakis, Antonis: Kreta. Athen.o.J.

M.R. Hecht Hopfner. Wien. 2025. Alle Rechte vorbehalten.

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