Paleochora

Ein Geschenk der Sonne und des Mondes

von Margaretha Rebecca Hecht Hopfner

Paleochora, erbaut auf einer kleinen halbinselfoermigen Landzunge im Suedwesten Kretas, ein gut ueberschaubarer Ort, der trotz der wirtschaftlichen Ausrichtung auf den Tourismus noch sichtbar den Kretern gehoert, wird auf der Hauptstrasse von Chania aus dem Norden her angefahren. Wie die schaumgeborene Aphrodite entsteigt Paleochora den Fluten des Lybischen Meeres und raekelt sich behaglich und zufrieden in der mediterranen Sonne.

Die Kommune als solche gibt es noch nicht allzu lange, denn erst nach dem Aufstand von 1866 erfolgte ihre Gruendung. Zuvor existierte hier ueber Jahrhunderte hinweg einzig das von den Venezianern gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaute und spaeter von den Tuerken genutzte, jedoch von ihnen auch zerstoerte und nunmehr unter Denkmalschutz stehende Kastell Selino, das der gesamten Region bis zum heutigen Tag ihren Namen gab. Waehrend des 2. Weltkrieges unterhielten in Paleochora die deutschen Besatzer einen militaerischen Stuetzpunkt.

Zur Gemeinde Paleochora gehoeren auch umliegende Weiler wie beispielsweise Anidri, Azogires, Asfendiles und Podromi, mittlerweile beherbergt sie mehr als 2000 Einwohner, davon etwa 10 % auslaendischer Herkunft. Paleochora, das urspruenglich wegen seiner guenstigen Lage und in Ermangelung einer direkten Verbindung zu Chania im Norden, als Handelsumschlagplatz fuer die in der Region erzeugten landwirtschaftlichen Produkte entdeckt und eingerichtet wurde, hat sich seit dem Ende der 60er, besonders aber seit den 70er Jahren des 20. Jh.s an der Entwicklung des regionalen Tourismus erfolgreich beteiligt.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist noch offen, allerdings faellt - noch - das Fehlen massentouristischer Grossstrukturen nach wie vor angenehm auf. Zwar hat schon laengst der Pauschaltourismus den wunderschoenen lichtdurchfluteten Ort, der zu den sonnenreichsten ganz Kretas gehoert und der aufgrund einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit zu den gesuendesten Regionen ganz Europas zaehlt, entdeckt - und die ansaessige Bevoelkerung reagiert ihrerseits mit zunehmender touristisch motivierter Bautaetigkeit - dennoch taucht auch der Tourist in eine angenehm ruhig gebliebene kretische Athmosphaere ein. Der Ort ist ganzjaehrig bewohnt, es existieren vorzuegliche Bildungseinrichtungen - wie etwa ein Gymnasium, dem schon so mancher Wissenschafter entsprungen ist - und das Portraet des Ortes wird vom Erscheinungsbild seiner Einwohner gezeichnet. Wer hierher reist, kommt tatsaechlich nach Kreta.

Umgeben ist Paleochora von herrlichen Straenden, die Entdeckungsfreudige in naechster Naehe noch fuer sich allein beanspruchen koennen, die Wasserqualitaet des Lybischen Meeres ist von der bekannten einzigartigen Klarheit. Das Umland laedt zum Wandern - zum Beispiel in die Doerfer Anidri und Azogires, die Irini-Schlucht und die Samaria-Schlucht, aber auch auf dem E4-Weitwanderweg entlang der Suedkueste in Richtung Elafonisi bzw. Sougia - und zu Ausflugstouren mit dem Auto in alle Richtungen ein. Chania ist mit dem oeffentlichen Bus in cirka zwei Stunden zu erreichen, sodass auch problemlos ein Tagesausflug in das geschaeftigere Stadtleben eingeplant werden kann. Aber auch wer sich gerne mit dem Schiff vorwaertsbewegt, befindet sich genau an der richtigen Stelle, denn von Paleochora aus kaennen sowohl Elafonisi im Westen als auch die Orte Sougia, Agja Roumeli, Loutro und Chora Sfakion an der Suedkueste in oestlicher Richtung auf diesem Weg erreicht werden; sogar die Insel Gavdos, der suedlichste Punkt Europas wird von Paleochora aus angesteuert.

Liebend gern bin ich immer und immer wieder durch die engen Gaesschen gestreift, hab mich hie und da in das Cafe Almyrida im alten Gavdos-Viertel begeben, um auf dessen Terrasse unter einem maechtigen Tamariskenbaum dem Meer ganz nah zu sein. Gespeist habe ich zumeist im "Corali" an der Hafenpromenade, eine der aeltesten und besten Tavernen des Ortes mit dezenter Athmosphaere, das von der Familie Kalogridis gefaehrt wird und wo noch Mama allabendlich am Herd steht und Kretisches fuer die Gaeste auf den Tisch zaubert. Von hier aus habe ich auch jenen glutfarbenen Vollmond sein zaertlich trauriges Gesicht an das spiegelglatte dunkle Meer schmiegen sehen, und mir wehte zum ersten Mal der Hauch einer Ahnung zu, wie gross, schoen und geheimnisvoll einst das weibliche Kreta gewesen sein muss...

Folgendem Werk habe ich wichtige Hinweise fuer diesen Text entnommen:
Pyrowolakis, Nicolaos: Paleochora. Ein Rueckblick in die Vergangenheit. o.O. o.J.

M.R. Hecht Hopfner. Wien. 2025. Alle Rechte vorbehalten.

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